Wissen wahrscheinlich die wenigsten, aber Rotkäppchens Grossmutter war Designerin. Sie hat das rote Käppchen entworfen. Nach dem Originalmärchen hat Grossmutter (die mit den schlechten Augen – die mit den grossen Augen war der Wolf) dem kleinen Hascherl ein rotes Käppchen geschenkt, um es von weitem besser sehen zu können. (Zukunftstrend Orientierungsbedürfnis.) Das sagt auch etwas über unsere Gesellschaft im demographischen Wandel aus. Die älter werdende Gesellschaft sieht immer schlechter, ist aber noch so clever im Kopf, dass sie die angehenden Gebrechen (taub, lahm, dick) schnell und schlau kompensieren kann. (Trend zur Suche nach Effizienz.)
Also denkt sich die Märchenomi: Mit ein bisschen roter Farbe markier ich die Kleine, dann sehe ich sie schon von weitem auf der grünen Wiese und ich verwechsele sie nicht mit einem bösen Wolf oder Bänker. (Trend Sicherheitsbedüfnis.) Super, die Dame hatte es also faustdick hinter den Ohren. Oder in den Ohren, denn als der Wolf kommt, hat Omi das Hörgerät wieder mal verlegt, erkennt nicht die Stimme des Wolfs, der geschickt Social Media Floskeln twittert (Community-Trend) und öffnet die Tür. Sie wartet eh auf einen Boten von Amazon, der Eierlikör bringen soll. (Convenience-Trend.) Der böse Wolf verkauft ihr dann auch gleich drei Dutzend Derivate und Oma ist pleite. Danach werden die Beweise vernichtet und Oma verschluckt. (Trend Toughness.)
Der Schluss der Story ist dann leider nicht mehr visionär, sondern völlig unrealistisch, denn es geht gut aus. (Escape from Reality.) Ein Jäger kommt vorbei und schnippelt ohne Narkose mit einer nicht desinfizierten Schere wie Jack Bauer am Wolf herum. Vermutlich auch halb blind erkennt er die blutverschmierte Göre im Bauchraum erst an ihrem roten Mützchen. (Trend zu Design mit Botschaft.) Omi ist auch noch da, der Wolf bekommt, als Parabel auf unsere übergewichtige Gesellschaft, noch ein paar Steine in den Bauch und das führt zum sofortigen Schlaganfall.
Das Ende wird natürlich nicht richtig erzählt: Rotkäppchen wurde mit schweren Traumata für den Rest ihres Lebens in einer psychiatrischen Klinik untergebracht, wo sie alle alten Damen mit Omi ansprach und ihnen Kuchen brachte. Der Jäger fand Gefallen am Rumschnippeln und wurde als Schönheitschirurg noch weltberühmt, (Change) allerdings verwendete er schlechtes Silikon und kam später ins Gefängnis. Oma starb noch am selben Tag an Eierlikörentzug. Tja, so kann es gehen.
Sie sehen, einige Trends, die zur Zeit hoch aktuell sind, begleiten uns schon immer, selbst in der Märchenwelt unserer Kindheit. Was nicht heisst, das die Trends weniger real sind.
